Alternative Energien

Ökologische Lösungen für den Reitbetrieb

In Zeiten von Klimawandel und steigenden Energiepreisen sind alternative Energieformen so gefragt wie nie. Auch die technischen Möglichkeiten, Strom und Wärme mit Hilfe von Sonne, Wasser, Wind, Erdwärme oder Biogas zu erzeugen, sind so gut wie nie zuvor. Doch nicht jede Technik macht für jeden Betrieb Sinn. RRP verrät, wie Sie Ihre Reitanlage Energie und Kosten sparend umrüsten können.

Richtig eingesetzt nützen alternative Energieformen nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Anwender: die Einspeisung des Stromüberschusses ins Netz sowie Fördergelder machen eine Anlage unter Umständen auch wirtschaftlich interessant, zudem schaffen Solarstrom, Wind- und Wasserkraft Unabhängigkeit von unsicheren Energiepreisen und können in wenig erschlossenen Gegenden eine gute Möglichkeit für Energie-Selbstversorger sein.
Welche Energieform man wählt und ob man sich besser für kleine, preiswerte, eventuell sogar selbst gebaute Lösungen oder große Anlagen entscheidet, hängt ganz von den individuellen Voraussetzungen, der Lage des Reitstalls und den finanziellen Möglichkeiten zusammen. Bei größeren Investitionen empfiehlt es sich, Expertenrat einzuholen und verschiedene Optionen sorgfältig abzuwägen und durchzurechnen.


Energie-Bewusstsein fängt beim Sparen an

Egal welche alternative Energieform man wählt – will man eine professionelle Anlage, muss man einiges investieren, was besonders für viele ältere und kleinere Betriebe einfach nicht möglich ist.
Doch auch mit kleinerem Finanzpolster kann man einiges für eine umweltfreundliche Energiebilanz des Reitstalles tun. Mit etwas handwerklichem Geschick lassen sich kleinere Windräder und Solaranlagen selber bauen (siehe Kasten), auch für den kleinen Geldbeutel sind solarbetriebene Weidezaungeräte erschwinglich und bei geeigneter Lage kann man sein Hallendach unter Umständen an eine Solarfirma vermieten.
Wichtig ist vor allem, sich nicht nur auf Energiealternativen, sondern auch auf das Energie sparen zu konzentrieren, denn damit ist für Umwelt und Bankkonto schon viel getan.
Hier können schon kleine Veränderungen langfristig einen großen Unterschied machen:
Nutzen Sie in Stall und Halle so viel Tageslicht wie möglich. Große Fenster, Gebäudeöffnungen an Traufe und First und Windnetze statt Wände machen künstliche Beleuchtung weitgehend überflüssig. Versuchen Sie möglichst viel der Stallarbeit und des Trainings vor Einbruch der Dunkelheit zu erledigen.
Ersetzen Sie defekte Glühbirnen im Reiterstübchen, der Stallgasse oder Sattelkammer durch Energiesparlampen. Diese sind zwar etwas teurer, halten aber auch länger und verbrauchen nur 20 Prozent der Energie.
Warten Sie mit dem Waschen der Pferdedecken bis die Maschine voll ist – das spart Strom und Wasser.
Werden Reiterstübchen oder Sattelkammer im Winter geheizt, sollten Sie darauf achten, dass Fenster und Türen richtig schließen, damit die Wärme nicht entweichen kann. Zieht es unter der Tür, hilft eine zusammengerollte Decke, Fenster können mit selbstklebenden Dichtungsbändern nachisoliert werden.
Stellen Sie das Heizregelsystem im Reiterstübchen so ein, dass die Temperatur nachts und in Zeiten, in denen der Raum nicht genutzt wird, auf ca. fünf Grad absinkt.


Solarenergie

Solarenergie boomt: Allein 2009 wurden in Deutschland rund zehn Milliarden Euro in Photovoltaikanlagen investiert, insgesamt sind Anlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 9.800 Megawatt in Betrieb.
Die Vorteile der Solarenergie sprechen für sich – sie ist sehr umweltfreundlich, völlig geruchs- und lärmfrei, kann ohne großen Wartungsaufwand/-Kosten betrieben werden und ist in unseren Breiten selbst im Winter ausreichend vorhanden.
Große, relativ flache Reithallendächer sind oft perfekt für größere Solaranlagen geeignet, die langfristig eine lohnende Investition sein können – vor allem, wenn das regionale Klima gut ist, das Hallendach gen Süden liegt und nicht durch große Bäume oder hohe Gebäude beschattet wird. Auch Dächer von Führanlagen, Longierhallen, Ställen oder dem Wohnhaus können sich eignen.
Wichtig ist auch die Umgebung: Liegt der Stall in der Nähe großer industrieller Anlagen, muss eine automatische Waschanlage – eine Belastung für Umwelt und Geldbeutel – installiert werden, um die Solarzellen vom Industriestaub zu befreien.
Wer nicht selber soviel investieren kann oder will, kann bei guten Standortbedingungen seine Dachflächen unter Umständen gegen einen ertragsabhängigen Mietzins an Solarunternehmen zu verpachten.
Trotz starker Preisnachlässe in den letzten Jahren sind Photovoltaik-Anlagen noch nicht wirklich günstig: rund 2.500 bis 3.500 Euro pro KW Leistung muss man für die Anschaffung rechnen (eine 5 kWp-Anlage liefert ungefähr den Jahresstrom, den eine vierköpfige Familie verbraucht), dazu kommen eventuell noch Kosten für Montage, Erdkabel und Wechselrichter.
Doch Photovoltaik gibt es auch schon für den kleineren Geldbeutel – angefangen bei Solar-Weidezaungeräten.
Solarthermie kann besonders von Frühjahr bis Herbst Beispiel das warme Wasser zum Duschen (für Menschen und Pferde) oder sogar ein Bewegungsbad temperieren. Im Winter – zum Beispiel für eine Frostschutzanlage der Selbsttränken - ist Solarthermie, wird sie nicht über einen Speicher gepuffert, nicht zuverlässig genug. Pro Quadratmeter kostet eine Solarthermie-Solaranlage rund 700 Euro, rund fünf Quadratmeter sind nötig, um den Warmwasserbedarf einer vierköpfigen Familie zu decken.

Infos:
www.solar-und-windenergie.de
www.solarenergie.com
www.solarserver.de
www.solaranlagen-portal.de
www.solon.com
www.econsolarwind.de
www.gennicoo.com


Wind-Energie

Während an Land und vor den Küsten immer mehr große Windkraftparks gebaut werden, wird Windenergie von Einzelhaushalten und kleinen gewerblichen Betrieben in Deutschland – anders als in anderen Ländern - bislang nur wenig genutzt.
Für Reitanlagen in windreichen Gegenden lohnt es sich aber durchaus, über diese Energieform nachzudenken – besonders da sich das Angebot von Windrädern für Privathaushalte und kleine gewerbliche Anlagen in den vergangenen Jahren enorm verbessert hat.
Die Preise der Anlagen schwanken zwischen 1.000 und mehreren Zehntausend Euro. Die Qualität und Leistungsfähigkeit ist dabei sehr unterschiedlich – vergleichen lohnt sich. Die Einspeisegrundvergütung liegt zurzeit an windreichen Standorten in den ersten fünf Jahren ab

Inbetriebnahme bei 9,2 Cent pro Kilowattstunde. Das Hauptziel einer eigenen Windkraftanlage besteht zurzeit aber sicher darin, den Eigenstrombedarf zu decken. Strom, der darüber hinaus produziert wird, kann zur Wassererwärmung und Heizungsunterstützung genutzt oder ins das Netz zurückgespeist werden.
Kleinstanlagen unter zehn Metern Höhe bedürfen in manchen Bundesländern als verfahrensfreie Anlagen der technischen Gebäudeausrüstung keiner eigenen Genehmigung, grundsätzlich sollte aber zu allen Genehmigungsfragen im Vorhinein das zuständige Bauamt befragt werden.
Infos:
www.oeko-energie.de
www.windkraft-anlagen.com
www.heyde-windtechnik.de


Pferdemist in der Biogasanlage

Eine Biogasanlage wird regelmäßig mit so genannter Biomasse (zum Beispiel Pferdemist, Gülle, Mais, Grassilage, Apfeltrester) gefüllt. In einem luftdicht verschlossenen Fermenter entsteht durch anaerobe Gär- oder Fäulnisprozesse das Biogas, das je nach Ausgangsstoff aus 40-75 Prozent Methan, 25-55 Prozent Kohlendioxid, bis zu zehn Prozent Wasserdampf und geringen Mengen an Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff, Schwefelwasserstoff und Ammoniak besteht.
Das Gas kann in einem angeschlossenen Kraftwerk zur Wärme- und Stromerzeugung genutzt werden, die vergorenen Rohstoffe werden als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt. Strom aus förderfähigen Biogasanlagen wird bis 150 kW mit mindestens 11,55 Cent/kWh vergütet.
Laut dem Fachverband Biogas e.V. können mit einer Tonne Pferdekot 111 Kilowattstunden erzeugt werden – bei rund 500.000 Pferden, die pro Jahr rund 3.625.000 Tonnen Kot ausscheiden, ist das energetische Potential also enorm.
Lange war die Biogasanlage für Reitanlagen relativ uninteressant, da bei Einsatz von Pferdemist der so genannte NawaRo-Bonus, der den Einsatz nachwachsender Rohstoffe mit zusätzlichen sechs Cent je erzeugter Kilowattstunde entlohnt, entfiel. Seit Pferdemist auf der „Positivliste“ des NawaRo-Bonus steht, kann die Anschaffung einer der teuren Anlagen (ab rund 300.000 Euro für Biogaskleinanlagen) für große Betriebe unter Umständen Sinn machen.
Um die Wirtschaftlichkeit einzuschätzen, sollte in der Planungsphase eine detaillierte Kosten-Nutzen-Aufstellung mit Hilfe eines Experten erstellt werden. Dabei darf man auch den Arbeitsaufwand nicht vergessen: rund vier bis sechs Stunden pro Woche sollte man für die Fermenterbefüllung einer Biogaskleinanlage einplanen.
Ideal ist es, wenn der Betrieb zusätzlich Landwirtschaft (zum Beispiel Kühe oder Maisfelder) betreibt, da mit Pferdemist alleine keine Biogasanlage betrieben werden kann. Der hohe Strohanteil im Festmist sorgt für zuviel Stickstoff im Fermenter, so dass man zusätzlich stickstoffarme Rohstoffe wie Maissilage verwenden muss.
Infos:
www.biogas.org
www.biogasanlagen.net
www.planet-biogas.com
www.enbea.de


Wasserrad

Munter plätschernde Wasserräder zaubern romantische Stimmung - und waren lange vom Aussterben bedroht. Eine Erfindung des Ingenieurs Harmuth Drews soll der in Vergessenheit geratenen Technologie zum Comeback verhelfen. Anders als die historischen Vorbilder aus Holz erzeugen seine Räder Strom statt mechanischer Energie. Mit seinem Baukastensystem, bei dem identische Edelstahlschaufeln wie bei einem Glieder-Uhrenarmband zu verschiedenen Umfängen und Breiten zusammen gesetzt werden, können Wasserräder zu erschwinglichen Preisen für unterschiedliche Standorte produziert werden. Ein in das Wasserrad integrierter Ringgenerator ist auch für geringe Drehzahlen ausgelegt. Rund 25.000 Standorte eignen sich laut Drews in Deutschland für diese Form der Stromerzeugung.
Besonders einfach ist die Installation von Wasserrädern in Reitanlagen, zu denen eine alte Wassermühle gehört. Im besten Fall muss nur das Fundament repariert und ein neues Rad eingehängt werden. Aber auch für Fluss- und Kanalanrainer ist das Wasserrad interessant. Anders als Solaranlagen oder Windräder liefert die Wasserkraft das ganze Jahr lang Strom – nur bei extremen Minustemperaturen muss das Rad gestoppt werden.
Je nach Größe und Montageaufwand muss man für ein Wasserrad rund 60.000 Euro investieren – eine Geldanlage, die sich bei Einnahmen von rund 10.000 Euro im Jahr durch die Einspeisung ins Netz nach ca. acht Jahren amortisieren soll.
Infos: www.wasserrad-drews.de
Heidrun van Elderen

 

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