Rheinische Meisterschaften Springen

Neue und altbekannte Sieger

Bei den diesjährigen Rheinischen Meisterschaften flossen Sturzbäche aus Schweiß von Pferden und Reitern. Dennoch wurde im Parcours toller Sport geboten. Am Ende gab es verdiente Sieger – und begeisterte Zuschauer.


Neues Gesicht: Andrew Saether

Als er mit seinem Transporter auf den Parkplatz des Pferdesportzentrums Rheinland fuhr, kannte kaum einer seinen Namen. Als er nach drei Tagen wieder zurück nach Hause fuhr, kannte ihn jeder: Andrew Saether wurde in nur 76,65 Sekunden berühmt. So lange benötigten er und sein Pferd Viking, um sich mit einem Sieg im Finale den Titel zu sichern.
Der Brite, der für die RG Hausdorp reitet, wurde überraschend Rheinischer Meister der Reiter/Senioren. Auf Viking gewann er nicht nur das Finalspringen, erstmalig ein S*** mit zwei Umläufen, sondern auch die Goldmedaille.
Nach den ersten beiden Springen hatte Saether noch auf Platz sechs in der Meisterschaftswertung gelegen. Nachdem er im ersten Springen (S*) mit einem Abwurf im Mittelfeld (24.) gelandet war, kletterte Saether nach der zweiten Prüfung (3.) weit nach oben. Im Finale steigerte sich das Paar noch einmal, blieb in beiden Umläufen fehlerfrei.
Das gelang sonst nur noch dem Grevenbroicher Frederic Tillmann (RC Gut Neuhaus) auf dem Oldenburger Hengst Arizona Pie, der aber rund drei Sekunden langsamer war und deshalb als Rheinischer Vizemeister nach Hause zurückkehrte. „Ich habe gar nicht mehr mit einer Medaille gerechnet“, freute sich der Pferdewirtschaftsmeister dennoch. Sowohl im ersten (Platz 27 nach einem Abwurf) als auch im zweiten Springen (Platz 12 mit einem Abwurf) war es nicht optimal gelaufen.
Doch der Grevenbroicher musste sich seinen Podestplatz teilen – und zwar gleich mit zwei weiteren Paaren. Denn das zweite Silber in Folge gab es für Frederik Knorren (RV Würselen). Der 23-Jährige hatte nach den ersten beiden Springen (2. und 7.) mit Aspen sogar auf Goldkurs gelegen, doch zwei Abwürfe im Finale (6. Platz) warfen das Paar zurück.
Und es landete noch ein drittes Paar auf dem Silberplatz: Nathalie Destree-Kradepohl (RV Jan von Werth Jülich) auf der Fuchsstute Kleine Schwester. Die Jülicherin war sowohl in der ersten wie auch der zweiten Prüfung fehlerfrei geblieben, kassierte dann aber wie Knorren im Finale zwei Abwürfe. Eine Bronzemedaille wurde
daher nicht vergeben.
Einen rabenschwarzen Finaltag erwischte der Lobbericher Michael Terhorst. Der Springreiter lag vor dem letzten Springen in phänomenaler Ausgangslage, hatte er doch auf der Stute Parmant die ersten beiden Springen gewonnen und lag unangefochten auf Goldkurs. „Aller was darüber hinausgeht, ist ein Sahnehäubchen“, meinte er noch hoch zufrieden nach dem zweiten Sieg. Doch aus dem Sahnehäubchen wurde nichts: Im Finale kündigte ihm Parmant am Einsprung der Dreifachen die Zusammenarbeit auf, das Paar schied aus und Michael Terhorst blieb ohne Medaille. „Das ist halt Sport“, kommentierte er das Geschehen trocken.


Verdienter Sieg für
Katrin Eckermann

Bei den Jungen Reitern dominierte erwartungsgemäß die Deutsche Meisterin Katrin Eckermann (RV Kranenburg) die Konkurrenz. Nur zwei Wochen vor den Europameis-terschaften im französischen Jardy (13. bis 18. Juli) nutzte Eckermann die Rheinischen Meis-terschaften erfolgreich für eine Generalprobe. Auf dem neunjährigen Schimmelwallach Carlson ritt sie in einer anderen Liga, gewann beide Wertungsprüfungen – die zweite am Samstag war aufgrund eines starken Unwetters ausgefallen – und wiederholte ihren Vorjahressieg.
Dabei zeigte das hoffnungsvolle Paar drei souveräne Runden ohne einen einzigen Abwurf. Am Ende hatte Eckermann lediglich 0,25 Fehlerpunkte für Zeitüberschreitung aus dem zweiten Umlauf des Finales auf ihrem Konto. Eckermann musste in allen Springen noch mit einem Schutzkorsett antreten: Nachdem sie bei einem Sturz beim CSI-JR Moorsele einen Rippenbruch erlitten hatte, war sie erst eine Woche vor dem Jugendfestival Mitte Juni in Hagen erstmalig wieder in den Sattel gestiegen.
Silber sicherte sich Nathalie van Lith (RV Schmalbroich-Kempen), die auf der Stute Wera insgesamt drei Abwürfe gesammelt hatte – allesamt im Finale. Damit wurde sie in dem Zwei-Sterne-S mit zwei Umläufen Dritte. Im Auftaktspringen war das Paar auf Rang vier gelandet.
Bronze ging an Carolin Zell (RV Lippe-Bruch Gahlen), die auf Nuhreste eine konstante Leistung in beiden Springen gezeigt hatte und lediglich 0,75 Fehlerpunkte mehr gesammelt hatte als van Lith. Platz zwei zum Auftakt folgte ein vierter Platz im Finale: Damit war Zell in ihrem ersten Jahr als Junge Reiterin Bronze sicher.


Favoritensieg durch Stefanie Reining

Wie bei den Jungen Reitern setzte sich auch bei den Junioren die Favoritin durch: Stefanie Reining (RV Lohengrin Hau) steuerte ihre Stute Diva souverän zum Rheinischen Meistertitel. Das Paar, wie Eckermann für die EM in Frankreich gesetzt, machte den Triumph mit einem Sieg im Finale (S* mit zwei Umläufen) perfekt.
Im ersten Springen (M**) hatten sich Reining und Diva noch der Kaarsterin Franziska Kux (PSV Haus Vogelsang) auf Aquilina beugen müssen, denen im Zeitspringen eine famose Runde gelungen war und die daraufhin einen verdienten Auftaktsieg feierten. Doch im Finale klapperte es bei Kux und ihrer Stute zwei Mal, während bei Reining wie auch bei der Dritten des Führungstrios, Gina-Sophia Giordani (RV von Bredow Keppeln), alles liegen blieb. Die beiden kassierten lediglich Zeitfehler (0,25 und 1,5). Giordani landete auf Platz zwei, Kux auf Rang drei – und so las sich dann auch die Meisterschaftswertung.
Für Reining ist es der erste Titel, im vergangenen Jahr hatte sie hinter Carolin Zell, die ins Junge Reiter-Lager wechselte, und Vanessa Borgmann (RV Jagdfalke Brünen) Bronze gewonnen. Borgmann sattelte in diesem Jahr Bolle af Stailex M, mit dem sie jedoch im Zeitspringen auf Rang zwölf landete. Im Finale kassierten die beiden acht Fehlerpunkte, wurden Vierte und verpassten so um Haaresbreite die Bronzemedaille.


Der Kleinste war der Größte!

Der Kleinste war der Größte! Diese Devise galt im Ponyspringen ganz besonders. Denn mit dem zwölfjährigen Philip Houston (RST Leichlingen-Witzhelden) gewann nicht nur der kleinste, sondern auch der jüngste Teilnehmer in dieser Konkurrenz den Titel.
Dabei lieferte sich Houston ein spannendes Duell mit Miriam Zell (RV Lippe-Bruch Gahlen) auf Arts-Deilo. Die beiden mussten um Gold stechen!
Nachdem Houston das Auftaktspringen vor Zell gewonnen hatte, tauschten die beiden im zweiten Springen die Positionen: goldene Schleife für Zell, Silber für Houston. Im Finale blieben dann beide Paare fehlerfrei. Zwar hatte Houston seiner Konkurrentin mit einer fulminanten Runde fast sechs Hundertstel abgenommen und damit das letzte Springen gewonnen, doch in der Meisterschaftswertung lagen beide aufgrund der Nullrunden gleichauf. Im Stechen um Gold – das erstmalig im Ponylager nötig wurde - behielten dann Houston und Caspar die Oberhand, weshalb sich Miriam Zell, die sowohl mit Arts-Deilo als auch mit Wombel für die EM gesetzt ist, ausgerechnet in ihrem letzten Ponyjahr mit Silber zufrieden geben musste.
Bronze sicherte sich Julia Lange (RFV von Driesen Asperden-Kessel), die mit Macy im Finale drei Abwürfe hatte, aber dennoch den dritten Platz halten konnte. Denn die Konkurrenz hatte zuvor ordentlich im Stangenwald „geholzt“: Der Kurs war an DJM-Verhältnisse angepasst und verhältnismäßig schwer.


Nachwuchschampionesse: Ann-Cathrin Hilger

Ann-Cathrin Hilger ist die Siegerin im Holger Hetzel Rheinisches Nachwuchschampionat Springen Junioren 2010. Ihr reichte im Finale ein neunter Platz für den Gesamtsieg. Mit ihrem Pferd Time Breaker Grennfield leistete sich Ann-Cathrin Hilger im letzten Springen, einem M* mit Stechen, lediglich einen Abwurf. So konnte sie ihre Spitzenposition in der Gesamtwertung mit insgesamt 174 Punkten verteidigen. Silber ging an Hannah Höltgen (RFV Rheingemeinde Monheim), die auf Amon Ra auf 166 Zähler kam. Das Paar war im Finale ebenfalls auf Platz zwei gelandet.
Bronze ging an Maurice Klöckner (RFV Bruckhausen), der auf William im Finale Siebter geworden war. Er kam auf 164 Punkte.
Trotz eines Sieges im letzten Springen landete Debby Sterzenbach (Förderverein f. TRS Mülheim) auf Whenever Kristal „nur“ auf Rang fünf. Zwischen sie und Maurice Klöckner schob sich mit Lea Unterhansberg (RG Buchholzhof) auf Last Dream eine weitere Mülheimerin.


Rheinische Springpferdechampions: Chirivell & Guantanamera

Chirivell ist der Rheinische Springpferdechampion 2010 der fünfjährigen Pferde. Der Schimmelhengst (Calato x Calido) aus der Zucht von Hermann Schult gewann unter Tobias Schult die Springpferdeprüfung der Klasse M und sicherte sich zugleich mit der Wertnote 8,3 das Ticket zum Bundeschampionat der fünfjährigen Springpferde.
Zwei weitere Fahrkarten nach Warendorf wurden an Julia Gorski (RFV Alt Marl) und Nathalie Destree-Kradepohl (RFV Jan von Werth Jülich) vergeben, die auf dem Hannoveraner Eddi Maserati (Escudo II x Graf Sponnek/8,1) und dem Westfalen Calistos la Paz (Calistos x Caletto I/8,0) ebenfalls die Qualifikationshürde knackten. Der Sieger Chirivell hatte bereits zuvor die Einlaufprüfung der Klasse L gewonnen.
Gleich sechs Paare sicherten sich in der Springpferdeprüfung der Klasse M für sechsjährige Pferde ein Ticket zum Bundeschampionat. Rheinische Springpferdechampionesse wurde die Stute Guantanamera, eine Grosso Z-Tochter (Mutter von Grand Ferdinand II) aus der Zucht und dem Besitz der Nettetalerin Miriam Sakellariou. Sie galoppierte als letzte unter Daniela Winkels (RFV Lobberich) in den Parcours der Springpferdeprüfung der Klasse M - Sichtung zum Bundeschampionat - und machten mit einer tollen Runde alles klar. Das Paar sicherte sich mit der Wertnote 8,4 nicht nur den Sieg in der Prüfung, sondern auch die Fahrkarte zum Bundeschampionat. Obendrauf gab es noch einen Titel, nämlich Rheinische Springpferdechampionesse der sechsjährigen Pferde 2010.
Insgesamt ersprangen fünf weitere Paare Tickets nach Warendorf. Neben Winkels schaffte es Thomas Grimm (RG Hausdorp), gleich zwei Pferde für das Bundeschampionat zu qualifizieren. Mit Cellou (Chello II x Raphael Son II) aus dem Besitz von seiner Chefin Sabina Illbruck wurde er mit der Wertnote 8,1 Zweiter. Platz drei ging an Julia Gorski, die mit Exitos Pleasure (Embassy I x For Pleasure) zu einer 7,8 galoppierte.
Annika Kreuzer und der Oldenburger Fuchshengst Collin (Converter x Quattro B) gewannen die zweite Abteilung – und sicherten sich ebenfalls eines der begehrten Tickets für Warendorf. Wertnote: 8,3.
Ihr auf den Hufen folgten gleich drei weitere Paare, die mit ihrer Wertnote von 8,0 alle die Qualifikationshürde nahmen: Thomas Grimm auf Halifax, Kathrin Eckermann (RV Kranenburg) auf der Mecklenburger Stute Celine sowie der gebürtige Pole Rafal Kurpiewski auf Caretano.
Mareike Roszinsky

 

Forum
Der optimale Versicherungsschutz