14.09.2012 | Artikelarchiv

Augen auf in Sachen Bodenbeschaffenheit!

Die Bodenbeschaffenheit hat enorme Auswirkungen auf das Wohlbefinden unserer Pferde. Besonders im Training sind daher gelenkschonende Untergründe empfehlenswert.

Für das Lauftier Pferd ist die Beschaffenheit des Bodens, auf dem es sich bewegt, sehr wichtig. Ohne entsprechendes Training kann das Laufen über harten oder sehr tiefen Boden schwerwiegende Schädigungen des Bewegungsapparates verursachen: Sehnenentzündungen, Erkrankungen der Hufrolle und degenerative Veränderungen der Gelenke gehören zu den häufigsten Lahmheitsursachen und können schlimmstenfalls zur Unreitbarkeit eines Pferdes führen.

Welcher Boden für welches Pferd aber am besten geeignet ist, kann individuell recht unterschiedlich sein. Zum einen hängt dies von der erblichen Veranlagung ab, der Reitweise und Nutzung, zum anderen aber auch vom Alter oder möglichen Erkrankungen des Vierbeiners.

Um den Bewegungsmechanismus eines Pferdes zu verstehen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Natur: Wildpferde leben oft in unwirtlichen Gegenden, in denen ihre Hufe und Gelenke höchsten Belastungen ausgesetzt sind. Wir finden sie in den Sumpfgebieten der Camargue und des Don ebenso wie in den trockenen Steppenlandschaften Amerikas oder in afrikanischen Geröll- oder Sandwüsten. Ohne Einflussnahme des Menschen laufen die Pferde dort problemlos über Felsen, Steine, Sand, Morast oder weiche Grasebenen. Krankheiten des Bewegungsapparates, wie wir sie von unseren domestizierten Pferden kennen, werden dabei nur selten beobachtet.

Bewegungsmangel ist schädlich

Wenn aber die Pferde von Natur so gut gerüstet sind, um auf verschiedenen Untergründen zu laufen, wieso leiden dann unsere Reitpferde so häufig an Huf- und Gelenkerkrankungen? Die Ursachen liegen für gewöhnlich an einer nicht mehr natürlichen Haltung. Heutzutage wird viel über „artgerechte Haltung“ geredet – tatsächlich aber leben unsere Pferde in einer Umgebung, die oft nur noch wenig Ähnlichkeit mit den Lebensbedingungen einer natürlichen Umwelt hat.

Viele Pferde leiden unter erheblichem Bewegungsmangel und haben nur selten die Möglichkeit, frei auf unterschiedlich harten Böden zu laufen. Frei lebende Pferde sind bei der Futtersuche täglich 16 bis 20 Stunden auf verschiedenen Naturböden unterwegs. Ihr gesamter Organismus ist auf ständige Bewegung ausgerichtet, die für ein reibungsloses Funktionieren von Lymph – und Blutkreislauf wichtig ist. So werden Gelenke, Bänder und Sehnen mit Nährstoffen versorgt und Stoffwechselschlacken abtransportiert.

Wichtiges Ausscheidungsorgan sind auch die gut durchbluteten Hufe. Stetige Bewegung sorgt dafür, dass das Blut aus den Hufen bis hoch in den Rumpf gepumpt werden kann. Durch das kontinuierliche Laufen auf verschiedenen Untergründen wird der Bewegungsapparat gestärkt und die Hufe können stabiles, tragfähiges Horn bilden.

Bei einem Pferd hingegen, das unter Bewegungsmangel leidet, findet keine ausreichende Nährstoffversorgung der Hufgelenksknorpel und des Strahlkissens mehr statt. In der Folge werden vermehrt Schwingungen auf die Hufrolle übertragen, was auch zu Schädigungen weiterer Gelenke führen kann. Um Gesundheitsprobleme zu vermeiden, sollten unsere Pferde daher möglichst naturnah gehalten und ihr Bewegungsapparat durch gezieltes Training gestärkt werden.

Wer sein Pferd auf harten Untergründen ohne Hufschutz reiten möchte, sollte ihm auch in seiner „Freizeit“ eine ähnliche Bodenbeschaffenheit anbieten, damit Hufe und Gelenke sich daran gewöhnen. Vergleichbar ist dies mit dem menschlichen Barfußgehen: Wer immer Schuhe trägt, kann nicht plötzlich mit nackten Füßen lange Strecken über Schotter laufen. Idealerweise wird schon bei der Aufzucht von Pferden darauf geachtet, dass sie auf unterschiedlich harten Böden laufen.

Viele Probleme entstehen auch durch die Haltung auf zu weichen Untergründen wie Gras, Sand, Stroh o.ä. Hufe und Gelenke haben sich an den Untergrund angepasst, dem sie die meiste Zeit ausgesetzt sind – häufig halten Barhufe dann dem Abrieb auf Stein- oder Schotterwegen nicht stand. Viele Pferde laufen deswegen über unebenen Boden „fühlig“ und treten nur vorsichtig auf. Man erkennt dies daran, dass der Vierbeiner nur ungern, klamm und zögerlich geht oder sogar lahmt. Häufig entzieht sich das Pferd auch den Reiterhilfen, weil ihm die Füße schmerzen und es auf anderen Untergrund ausweichen will.

Das vorsichtige Gehen auf ungeeignetem Boden ist für das Pferd eine natürliche Schutzfunktion, um Verletzungen zu vermeiden. Der Hufsohlenrand ist mit zahlreichen Nerven durchsetzt, die ihm helfen Bodenunebenheiten zu erfühlen – es tritt dann nur behutsam auf und kann durch reflexartiges Fixieren der Sehnen- und Gelenkbänder eine Überdehnung des Beins verhindern. Weil das individuelle Schmerzempfinden jedoch ganz unterschiedlich ausgeprägt ist, gibt es auch Pferde, die barfuß und ohne großes Training problemlos über steinige Wege laufen können.

Belastungsreiz schrittweise erhöhen

Vorausgesetzt das Pferd lebt auf verschieden harten Untergründen, möglichst naturnah mit vielen Bewegungsanreizen, lässt sich die Fühligkeit beim Barfußgänger durch langsame Steigerung der Anforderungen abtrainieren.

Anfangs kann es notwendig sein, das Pferd nur kurze Strecken über harten Boden zu führen. Wird es diesem Belastungsreiz jeden Tag etwas länger ausgesetzt, werden Gelenke, Bänder, Sehnen und Hufe gefestigt. Wichtig ist es, das Pferd dabei nicht zu überfordern, seine individuellen Bedürfnisse zu berücksichtigen und das Training kontinuierlich fortzuführen. Im Auslauf bietet es sich an, besonders die häufig frequentierten Stellen entsprechend zu befestigen.

Besonders viel Geduld braucht es bei der Umstellung vom Hufbeschlag auf das Barfußgehen. Man rechnet etwa ein Jahr, bis tragfähiges Horn nachgewachsen ist und sich Hufe und Gelenke an die neuen Gegebenheiten angepasst haben.

Sinnvoll kann auch die Verwendung von Hufschuhen sein. Diese haben den Vorteil, das sie nach dem Reiten ausgezogen werden und den natürlichen Hufmechanismus nicht beeinträchtigen. Auch bei Ortswechsel mit Änderung der Haltungs- und Bodenbedingungen können Hufschuhe hilfreich sein, ebenso wenn kurzfristig Strecken auf harten Untergründen zurückgelegt werden müssen und vorab nur wenig Zeit zum Trainieren war.

Ein Hufschutz wird oft notwendig, wenn nicht die Möglichkeit besteht, das Pferd an verschiedene Untergründe zu gewöhnen. Auch unregelmäßige Bewegung wirkt sich nachteilig auf die Bildung von stabilem Hufhorn aus. Bei Boxenhaltung kommt erschwerend hinzu, dass durch die Verbindung von Kot und Urin in der Einstreu eine ammoniakhaltige Lauge entsteht, die das Hufhorn nachhaltig schädigt. Ohne Schutz sind solche Hufe den Belastungen auf harten oder steinigen Wegen nur selten gewachsen.

Bei der Verwendung von Eisen gilt es zu bedenken, dass die Durchblutung der Hufe und ihre natürliche Stoßdämpfungsfunktion beeinträchtigt wird. Dadurch wird der gesamte Bewegungsapparat einer stärkeren Belastung ausgesetzt und auch der Tastsinn der Hufe funktioniert nur noch eingeschränkt. Mitunter spüren die Pferde dann den Untergrund nicht richtig und besonders beim schnellen Reiten über unebenen Boden kann es zu Verletzungen kommen. Hier ist es dann Aufgabe des Reiters, vorausschauend zu handeln und entweder nur im Schritt zu reiten oder das Pferd zu führen. Um vorzeitigem Gelenkverschleiß vorzubeugen, sollten beschlagene Pferde auch nicht über längere Strecken in hohem Tempo auf harten Wegen geritten werden.

Überlastung durch tiefen Boden

Wenig geeignet als Bewegungsuntergrund für Pferdebeine ist tiefer, schwerer Boden, der für untrainierte Pferde sogar gefährlich werden kann. Wird nur eine kurze Strecke darüber geritten, schadet das für gewöhnlich nicht. Problematisch werden kann es aber, wenn ohne sorgfältige Vorbereitung, längere Zeit und in hohem Tempo durch tiefen Boden geritten wird. Insbesondere wenn der Vierbeiner überwiegend auf ebenen Untergründen gehalten und geritten wird, sind Muskeln, Bänder und Sehnen nicht an diese extreme Belastung gewöhnt. Überdehnungen, Sehnenentzündungen oder sogar ein Sehnenabriss können die Folgen sein. Auch arthrotische Veränderungen der Gelenke sind vorprogrammiert, wenn es häufiger und ohne Konditionierung zu derartigen Überlastungen kommt.

Wer also zuhause nur auf befestigten, ebenen Untergünden reitet, im Urlaub aber einen längeren Strandritt plant, sollte sein Pferd vorab sorgfältig daran gewöhnen. Sinnvoll ist hier ein gezieltes Ausdauertraining, auch regelmäßiges Bergauf- und Bergabreiten verbessert den Muskelaufbau, erhöht die Leistungsfähigkeit und trainiert den Bewegungsmechanismus. Vorausgesetzt ein solches Training wird schrittweise gesteigert und aufgebaut, sind Hufe und Gelenke unserer Pferde enorm anpassungsfähig.

Eine weitere Gefahr für Pferdebeine lauert, oft unbemerkt, auf vielen Pferdeweiden. Vereinzelte Maulwurfshaufen sind erfahrungsgemäß nicht weiter schlimm, solange sie keine tiefen Löcher bilden. Gefährlicher hingegen sind Kaninchenbauten, die zu einer Stolperfalle werden können, weil die Eingänge meist nur schlecht sichtbar sind. Besonders wenn Pferde aus dem Stall auf die Weide gelassen werden und übermütig toben, besteht die Gefahr, dass sie in diese Löcher treten. Verstauchungen, Zerrungen oder sogar Brüche können die schwerwiegenden Folgen sein. Hier gilt es also vor dem Weideaustrieb, den Boden sorgfältig zu kontrollieren und vorhandene Löcher mit Erde aufzufüllen.

Ungeeignet für unsere Pferde ist aber auch staubiger, trockener Boden, der nicht nur ihre Atemwege reizt, sondern auf Dauer auch Hufen und Gelenken schadet. Durch Wassermangel trocknet das Hufhorn aus, in der Folge wird es brüchig und nutzt sich schneller ab. Die schlechtere Elastizität der Hornkapsel führt schließlich zur stärkeren Belastung von Bändern, Sehnen und Gelenken und begünstigt auch die Entstehung von Zwanghufen.

Besonders im Sommer kann es hilfreich sein, die Hufe regelmäßig im Wasser zu baden. Dies kann entweder im Eimer geschehen, in speziell angelegten Fußbädern, Schwemmen oder, wo die Möglichkeit besteht, in natürlichen Gewässern.

Damit die Hufe ausreichend Feuchtigkeit aufnehmen können, sollten sie bis zum Kronrand mit Wasser bedeckt sein. Besonders naturgerecht ist das Anlegen eines Wasserbades im Auslauf, an einer Stelle, die von den Pferden regelmäßig passiert wird. Hufprobleme durch Trockenheit gibt es bei wild lebenden Pferden nicht: Mindestens einmal täglich suchen sie zum Trinken eine Wasserstelle auf und baden dabei auch ihre Hufe. Tatsächlich haben frei lebende Pferde, die in Sumpfgebieten wie beispielsweise der Camargue leben, sogar sehr widerstandsfähige Hufe.

Der optimale Boden für das Training

Für Pferde, die überwiegend im Stall leben, ebenso wie beim täglichen Training auf dem Reitplatz oder in der Halle, ist eine gelenkschonende Beschaffenheit des Untergrundes besonders wichtig. Als Unterlage mit zusätzlicher Einstreu in Boxen bieten sich spezielle Gummimatten an, die urinbeständig, leicht zu reinigen und gelenkschonend sind. Gerne verwendet werden diese Matten auch auf betonierten Stallgassen, um Rutschgefahr zu vermeiden.

Ein guter Reitboden sollte bei jedem Schritt leicht federnd nachgeben und so fest sein, dass die Hufe nicht tief darin versinken. Außerdem sollte er möglichst pflegeleicht, staubfrei und langlebig sein. Einfacher Lehm- oder Naturboden als Unterbau sind in der Regel nicht geeignet.

Der klassische Aufbau eines Reitplatzes besteht aus der Tragschicht, einer Trennschicht und der oberen Tretschicht. Die untere Tragschicht stabilisiert den Reitboden und sorgt in Zusammenwirkung mit der darüber liegenden Trennschicht für die Ableitung des Wassers. Letztere verhindert die Vermischung von Trag- und Tretschicht und muss wasserdurchlässig sein. Als Trennschicht geeignet sind beispielsweise Gummi-, Recycling- oder Gewebematten, praktisch sind auch Gitter-Rasterelemente, die mittels Steckschloss verbunden werden.

Besonders hohen Belastungen ausgesetzt ist die obere Tretschicht, die direkt mit den Pferdehufen in Verbindung kommt. Sie sollte elastisch, rutschfest, gelenkschonend und trittstabil sein. Wer seinen Reitplatz ganzjährig nutzen möchte, wählt bevorzugt frostfreies Material.

Vielfach als Tretschicht verwendet wird Spezialsand, der meist aus reinem Quarz besteht. Um die Langlebigkeit zu erhöhen ist auch die Beimischung von Textilschnitzeln, Polypropylenfasern oder auch Mineralgelen möglich, die Staub- und Schimmelbildung verhindern. Bei der Materialwahl berücksichtigt werden sollte auch die Entsorgungsmöglichkeit, weil selbst langlebige Tretschichten in der Regel nach etwa zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden müssen. Synthetische Materialien halten zwar länger, ziehen aber je nach Materialbeschaffenheit und Anbieter eine kostenintensivere Entsorgung nach sich. Das Aussieben von Vlieshäcksel aus den Sanden ist allerdings möglich. Naturmaterialien wie Holzhackschnitzel können einfacher entsorgt werden, haben dafür aber eine geringere Lebensdauer.

Etwas anderen Anforderungen genügen müssen Tretschichten für Hallenböden, weil hier die natürliche Reinigung durch Wind und Regenwasser fehlt. Als Tretschicht geeignet ist beispielsweise ein Gemisch aus Feinsand, speziellem Split und Weichholz-Häcksel. Auch die Beimischung von Spänen oder Vlies ist gängig und erhöht die Elastizität des Reithallenbodens. Welche Materialien für den eigenen Reitboden am besten geeignet sind, ist aber auch abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, den Ansprüchen, der Nutzungsart und natürlich von den finanziellen Möglichkeiten. Hier sollte man sich am Besten von einem erfahrenen Reitplatzbauer beraten lassen.                                                                           

Meike Bölts


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