16.09.2013 | Praxis

Bodenbefestigung mit Paddockplatten: Keine Chance dem Matsch!

Matsch und Schlamm im Paddock machen Mensch und Pferd das Leben schwer. Moderne Kunststoffbodenplatten schaffen Abhilfe und können – unter bestimmten Voraussetzungen – auch ohne Unterbau verlegt werden.

Unsere Pferde sind Lauf- und Fluchttiere, deren Organismus auf ständige Bewegung ausgerichtet ist: Unter natürlichen Bedingungen sind Pferde bis zu 20 Stunden täglich auf Nahrungssuche. Ausreichend Bewegung über viele Stunden des Tages ist daher enorm wichtig für ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Die gesamte Blutzirkulation wird durch das Laufen optimal in Schwung gehalten, so dass alle inneren Organe ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden können. Bei Bewegungsmangel hingegen funktioniert der Stoffwechsel aufgrund unzureichender Durchblutung nur noch eingeschränkt. In der Folge kommt es häufig zu verschiedenen Gesundheitsstörungen wie Haut-, Leber- oder Nierenproblemen, Leistungsschwäche, Verkrampfungen der Muskulatur, angelaufenen Beinen, EMS, ECS oder auch Verhaltensproblemen und psychischen Schäden.

Zwar leben unsere domestizierten Pferde heutzutage in einer vom Menschen geschaffenen Umwelt, in der es nur begrenzte Möglichkeiten gibt, sich der Natur entsprechend zu bewegen. Dennoch gilt es, ihr enormes Bewegungsbedürfnis so gut wie möglich zu befriedigen. Ganzjährige Weidehaltung auf ausreichend großen Flächen wäre eine optimale Lösung, die sich aber leider kaum realisieren lässt, weil nur selten derartige Flächen zur Verfügung stehen. Als Pferdehalter kennt man das Problem: Die vorhandenen Weiden sind meist viel zu schnell abgefressen und müssen geschont werden, damit sie nicht vermatschen oder völlig unbrauchbar werden. Um eine artgerechte Pferdehaltung aber auch auf kleineren Flächen das ganze Jahr über zu gewährleisten, ist es eine gute Lösung, den Boden einer Auslauffläche zu befestigen, so dass diese ganzjährig von den Pferden benutzt werden kann.

Anforderungen Paddockbodenplatten
Paddockbodenplatten müssen hohen Belastungen standhalten und sollten deshalb bestimmte Anforderungen erfüllen: Sie sollten stabil (bruchfest, aber dennoch elastisch, UV- beständig, frostsicher sowie resistent gegen Ammoniak, Säure und Salz sein; Materialausdehnungen bei Temperaturschwankungen ausgleichen können, umweltneutral hergestellt und recycelbar, sowie rutschfest und wasserdurchlässig sein; über ein handliches Stecksystem verfügen, das sich wieder verwenden lässt (Rückbau geeignet), sowie über ein Produkteigengewicht von mindestens 5kg/ m² und eine Belastbarkeit bis zu mindestens 150t/m² verfügen, bei einer Stegdicke von mindestens 4 mm.

Bodengitterplatten aus Kunststoff

Die Größe und die Art der Befestigung richtet sich in der Regel nach dem Pferdebestand, aber auch den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten. Besonders für kleinere Pferdehaltungen ist es oft nicht rentabel, große Auslaufflächen aufwendig und kostenintensiv zu befestigen. Hinzu kommt, dass derartige Baumaßnahmen in der Regel auch genehmigungspflichtig sind, was mit weiteren Kosten verbunden ist. Hier können moderne Bodengitterplatten aus Kunststoff Verwendung finden, die je nach den örtlichen Gegebenheiten und der Beschaffenheit des Bodens, auch ohne Unterbau auf Naturboden, in Eigenleistung verlegt werden können.

Beachten sollten Sie allerdings, dass dies nur möglich ist, wenn es sich bei der Untergrundfläche um eine relativ gerade und wasserdurchlässige Fläche handelt, die außerdem über ausreichende Festigkeit (natürliche Tragfähigkeit) sowie eine gewisse natürliche Durchlässigkeit verfügen sollte. Handelt es sich um sehr nassen, tiefen oder auch lehmigen Grund, werden Sie auf Dauer kaum ohne entsprechende Unterbaumaßnahmen mit Tragschicht, Trennschicht und Tretschicht auskommen. Um abwägen zu können, um welche Bodenbeschaffenheit es sich bei der angedachten Fläche handelt, sollten Sie diese vorab genau in Augenschein nehmen: Ist der Boden sehr locker und schlammig oder eher fest und felsig? Versickert die Feuchtigkeit nach einem Regenschauer schnell oder bleibt sie tagelang stehen? Sie können aber zunächst auch nur ein Teilstück des Paddocks zur Probe verlegen, das dann von den Pferden über einen gewissen Zeitraum benutzt wird. Sollte sich hierbei zeigen, dass der Untergrund nicht geeignet ist, lassen sich die Platten auch problemlos wieder entfernen und anderweitig verwenden.

Da besonders viel frequentierte Wege sowie Futter- und Wasserstellen in Ausläufen oder Paddocks schnell zum Schlammloch werden, ist es ratsam, diese mit Kunststoffplatten auszulegen. Ein Vorteil bei der Verlegung von Paddockplatten auf Naturboden liegt darin, dass – anders als bei versiegelten Flächen – der Grundwasserhaushalt nicht beeinträchtigt wird und Niederschläge problemlos versickern können. Auch kommt es nicht zu schädlicher Bodenverdichtung oder Bodenerosion und die Verlegung ohne Unterbau ist in der Regel auch nicht genehmigungspflichtig. Allerdings ist es bei der Verlegung von Bodengitterplatten ohne Unterbau nie völlig auszuschließen, dass es nach einiger Zeit zum Verrutschen oder Absinken der Platten (je nach Untergrundbeschaffenheit) kommen kann.

Im ungünstigsten Fall kommt es dann vor, dass hier nachträgliche Verbesserungen notwendig werden. Aus diesem Grund übernehmen die meisten Hersteller von Paddockbodenplatten auch keine Garantie nach einer einfachen Verlegung ohne Untergrundbefestigung. Es ist aber dennoch ratsam, sich vom erfahrenen Fachhändler beraten zu lassen, insbesondere wenn Sie unsicher sind, ob die angedachte Fläche überhaupt geeignet ist.

 

Richtige Vorbereitung

Paddockbodenplatten werden von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Größen und Stärken angeboten. Im folgenden Beispiel wird die Verwendung von Paddockplatten aus sortenreinem Polyethylen-Regranulat beschrieben, die problemlos auch von schwächeren Personen verlegt werden können.

Praktisch ist die Aufteilung in einzelne Rastergitterelemente (hier 30,2 x 30,2 cm, bei einer Höhe von 3,5 cm), die sich in jeder beliebigen Größe zusammen stecken lassen. Die Anlieferung erfolgt auf Paletten a 80 m², wobei die Platten bereits auf je 1,12 m² vorgesteckt sind, je nach Wunsch werden aber auch alle anderen Größen und Mengen geliefert.

Verfügt die angedachte Fläche über entsprechend geeigneten Boden, werden die Platten zunächst so auf den Untergrund gelegt und ausgerichtet, dass die Verbindungselemente in Verlegerichtung zeigen. Damit der Untergrund möglichst gerade ist, sollten grobe Unebenheiten, Grasbüschel oder Steine vorab mit Spaten oder Spitzhacke entfernt oder geglättet werden. Zwar sind die Platten aufgrund des flexiblen Materials und der integrierten Dehnungsfugen sehr anpassungsfähig und können auch auf kleinere Bodenwellen gelegt werden. Zu uneben darf der Boden allerdings nicht sein, denn dies könnte bei Belastung dazu führen, das sich einzelne Arretierungen aus ihrer Befestigungslasche lösen. Es ist daher wichtig, den Untergrund vor der Verlegung sorgfältig zu glätten, Unebenheiten können auch mit Mutterboden, Sand oder Schotter entsprechend angeglichen werden. Ebene Flächen sind dann mit den vorgesteckten Platten schnell und einfach auszulegen.

Die Erfahrung zeigt, dass es auch möglich ist, die Platten leicht schräg anzugleichen, indem die jeweilige Arretierung beispielsweise erst in der zweiten Lasche befestigt wird. Die Platten sollten so ausgerichtet werden, dass sich die Verbindungselemente leicht von oben in die vorgesehene Aussparung drücken lassen. Damit Wasser später ablaufen kann, sollten Sie beim Verlegen auf ein leichtes Gefälle von etwa einem Prozent achten. Anschließend werden die Platten beispielsweise mit Sand, Kies oder auch Erde aufgefüllt und dann mithilfe von Rüttelplatte oder Stampfer eingearbeitet. In oben beschriebenem Beispiel reichte es aber auch, ein Kaltblut (750 kg) mehrmals über die Platten zu führen. Bislang kam es auch nach einer Wintersaison nicht zum Verrutschen der Paddockplatten, die durch die eingearbeiteten Widerhaken auf der Unterseite guten Halt haben. Ganz ohne Verfüllung sollten die Platten aber nicht verlegt werden (außer vielleicht kurzfristig z.B. bei Veranstaltungen auf Rasenflächen), da sie durch die Verfüllung besseren Halt finden und so auch das Abäppeln bzw. Reinigen der Fläche erleichtert wird.

 

Problemlose Wiederverwertung

Bei sehr hartem Mutterboden kann es sinnvoll sein, die Platten kurz nach einem Regenschauer zu verlegen, wenn der Untergrund etwas weicher ist. In tiefen Matsch sollten sie allerdings nicht verlegt werden, denn hier besteht die Gefahr, dass sie absinken und später das Wasser auf der Fläche steht. Bei sehr schlammigem Boden kann es eine Lösung sein, den Schlamm vor Verlegung der Platten abzuziehen und die Fläche mit Kies, Sand oder Schotter gleichmäßig aufzufüllen. Je nach Untergrund sollte diese Schicht etwa 10 bis 40 cm hoch sein, damit eine spätere Wasserdurchlässigkeit gegeben ist. Auch hier ist beim Verlegen auf ein leichtes Gefälle zu achten.

Welche Art der Verlegung geeignet ist, hängt immer von den individuellen örtlichen Bodenbedingungen ab und sollte gegebenenfalls bei einer Testverlegung ausprobiert werden. Da die Paddockbodenplatten sehr handlich sind, können sie ohne großen Aufwand wieder entfernt werden. So ist auch nach längerer Benutzung ein Rückbau und die Wiederverwertung problemlos möglich, beispielsweise auf Pachtgrundstücken oder bei Stallwechsel.

Weil die Platten über eine geschlossene und eine geöffnete Seite verfügen, können sie je nach Einsatzzweck verlegt werden: Auf Wiesenflächen, um die Grasnarbe zu schonen, auf Zuwegen, Abstellflächen, Koppelzugängen oder auch für die kurzfristige Verwendung bei Veranstaltungen bietet sich die Verwendung ohne Verfüllung mit geschlossener Seite nach oben an. Die beschriebene Verlegung auf gewachsenem Boden, mit geöffneter Seite nach oben und Verfüllung, ist auch mit zusätzlich aufgebrachter Tretschicht möglich.

Gleichmäßig verlegt sind die Kunststoffplatten UV-, sowie frost- und hitzebeständig, auch Ammoniak, Säure oder Salz kann ihnen nichts anhaben, sie halten problemlos hohe Belastungen aus, sind rutschfest, extrem stabil und bleiben selbst dann an Ort und Stelle, wenn ein Kaltblut darüber galoppiert.

Fazit: Die Einsatzmöglichkeiten hochwertiger Paddockbodenplatten sind überaus vielseitig und flexibel. Sind Tiefbauarbeiten nicht möglich oder erlaubt, können sie eine sinnvolle Alternative der Bodenbefestigung sein, die Mensch und Tier den Alltag erleichtert.

Meike Bölts


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