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21.04.2020 | News

Corona-Krise: Auszeit für Angelika Brück

Ausbilderin Angelika Brück versucht die Zwangspause aufgrund der Corona-Krise als Auszeit zu betrachten und zu nutzen. Foto: privat
Ausbilderin Angelika Brück versucht die Zwangspause aufgrund der Corona-Krise als Auszeit zu betrachten und zu nutzen. Foto: privat

Reiter sind die einzigen Sportler, die seit den Beschränkungen im öffentlichen Leben wegen der Verbreitung des Corona-Virus zumindest noch eingeschränkt ihrem Sport nachgehen und ihre Pferde versorgen dürfen. Für private Pferdehalter/Reiter bedeuten diese Einschränkungen auf die Notversorgung der Vierbeiner in den aktuellen Zeiten definitiv noch ein gewisses Privileg. Doch Pferdebetriebe, Vereine, Reitschulen, Berufsreiter und alle, deren wirtschaftliches Überleben von Turnierveranstaltungen abhängt, sind schon nach den ersten Wochen „Lockdown“ von Verlusten gebeutelt. RRP hat vor Ostern rheinische Ausbilder, einen Verein mit Reitschulbetrieb sowie ein Turnierbüro nach ihren Durchhalte-Strategien befragt. Ausbilderin Angelika Brück betrachtet die Zwangspause als Auszeit. 

Besonders die Ausbilder, die sich ausschließlich auf das Unterrichten spezialisiert haben, sind bei einem Lockdown jeglicher Einnahmequellen beraubt, da seit dem Erlass des NRW-Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz vom 16.03.2020 das Unterrichten von Reitschülern untersagt ist. Angelika Brück, die im Sattel der Friesenstute Roaske fan de Kromme Jelte bis zum Grand Prix erfolgreich ist und in Velbert und Umgebung Dressurunterricht gibt, kann seitdem überhaupt nicht mehr arbeiten. „Am Anfang habe ich natürlich sehr mit dieser Verordnung gehadert und mich darüber geärgert, dass ich noch nicht mal mit Headset und genügend Abstand unterrichten darf”, erzählt sie. „Doch es geht meiner Meinung nach darum, sich solidarisch mit den anderen zu zeigen und Unfallrisiken zu vermeiden, statt nach einem Schlupfloch in den Anordnungen zu suchen oder heimlich Unterricht zu geben.”Heimlich Unterricht geben? Vereinzelt hört man davon noch. „Ich möchte nicht diejenige sein, die vom Ordnungsamt beim Hinwegsetzen über die Anordnungen erwischt wird. Im schlimmsten Fall kann deswegen der ganze Stall geschlossen werden und dafür möchte ich nicht verantwortlich sein. Das wäre den anderen Reitern gegenüber alles andere als sozial und ich hätte ein total schlechtes Gewissen”, bekräftigt Angelika Brück.

Um sich nicht strafbar zu machen, aber trotzdem weiterhin arbeiten zu können, wechseln viele Ausbilder momentan von Unterricht zu Beritt, doch das kommt für Angelika Brück nicht in Frage. „Zu meinen Schülern gehören viele Hobbyreiter, die einmal in der Woche bei mir im Unterricht reiten. Da würde es nicht so viel Sinn machen, wenn ich mich jetzt auf einmal auf deren Pferd setze, nur um weiterhin Geld zu verdienen. Außerdem könnten die Kunden an diesem Tag dann nicht zum Stall, da immer nur eine Person pro Pferd und Tag am Stall erlaubt ist. Und gerade jetzt ist es für viele wirklich wichtig, dass sie so viel Zeit wie eben erlaubt mit ihrem Pferd verbringen können.”

Dieser Aspekt, in dieser Krisenzeit noch etwas Normalität zu haben und beim Pferd auf andere Gedanken zu kommen, ist Angelika Brück sehr wichtig: „Wir können froh sein, dass die Ställe noch alle offen sind und wir immer noch zu unseren Pferden dürfen. Das wäre ja für jeden von uns sehr schlimm, wenn das nicht mehr erlaubt wäre.“

Auszeit aufgrund der Corona-Krise möglichst sinnvoll nutzen

Ihrem Grand Prix Pferd hat Angelika Brück derzeit nur lockeres Training angedacht, da der nächste Turnierstart noch in den Sternen steht. Bis Änderungen in Sicht sind, lautet ihr Plan erstmal: „Ich stehe kurz vor der 50 und betrachte diese Phase jetzt einfach als Auszeit für mich. Das kam bei mir immer viel zu kurz, da ich das ganze Jahr über Unterricht und Lehrgänge gebe und dementsprechend auch wenig in den Urlaub fahren kann. Natürlich mache ich mir Sorgen, wie sich alles entwickeln wird, aber ich versuche diese Zeit jetzt erstmal zu nutzen, um den Kopf frei zu bekommen und einen Gang runterzuschalten. In der Pferdebranche wird eigentlich immer durchgearbeitet und man scheut sich davor, zwischendurch mal eine Auszeit zu nehmen. In anderen Berufszweigen gönnt man sich mal eine Kur oder so, aber ich kenne keinen Ausbilder, der so etwas schon mal in Anspruch genommen hätte, auch wenn es manchmal nicht verkehrt wäre”, so die Dressurreiterin.

Seitdem sie die Soforthilfe für Solo-Selbstständige beantragt hat, macht sich die Ausbilderin erstmal nicht mehr ganz so extreme Sorgen um ihre finanzielle Lage. Zusätzlich hält sie – generell und jetzt noch mehr – große Stücke auf ihren Kunden: „Ich habe aber auch wirklich Glück mit meinen Reitschülern, die schon gesagt haben, dass sie – sobald es wieder erlaubt ist – sofort wieder und am besten jeden Tag bei mir Unterricht nehmen und Lehrgänge organisieren, damit ich wieder Geld in die Kasse bekomme. Gerade bei solchen Durststrecken muss man versuchen, sich nicht verrückt zu machen und seine Einnahmen besser über das ganze Jahr verteilt sehen.”

Der Kontakt zu ihren Kunden ist der Ausbilderin nicht nur jetzt, sondern immer sehr wichtig. „Ich bin für meine Schüler immer telefonisch erreichbar und versuche bei Problemen in der täglichen Arbeit mit dem Pferd zu helfen. Dafür verlange ich kein Geld, sondern mache das, weil ich meine Reitschüler alle sehr mag.”

Juliane Körner

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