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04.05.2020 | News

Corona-Krise: Volle Konzentration auf die Ausbildung der Pferde bei Holger Hetzel

Nationenpreisreiter Holger Hetzel konzentriert sich momentan voll und ganz auf die Ausbildung seiner Pferde.
Nationenpreisreiter Holger Hetzel konzentriert sich momentan voll und ganz auf die Ausbildung seiner Pferde.

Wir haben vor Ostern rheinische Ausbilder, einen Verein mit Reitschulbetrieb sowie ein Turnierbüro nach ihren Durchhalte-Strategien in Zeiten der Corona-Pandemie befragt. Auch Nationenpreisreiter Holger Hetzel hat verraten, wie er die Krisenzeiten managed. 

Holger Hetzel betreibt in Goch einen internationalen Verkaufs- und Ausbildungsstall. „Wir befinden uns in der glücklichen Lage, dass die Kunden, deren Pferde wir hier vor Ort ausbilden, uns weiterhin erhalten bleiben, sodass ein Teil unserer Fixkosten abgedeckt ist”, erklärt der Springreiter. „Was uns aber komplett weggebrochen ist, ist der An- und Verkauf von Springpferden. Und da der Handel für uns der finanziell wichtigste Teil ist, muss man den Betrieb natürlich vorübergehend anpassen. Wir müssen geduldig den Markt beobachten und dementsprechend handeln. Jeder muss für sich und seinen Betrieb in dieser Situation die richtigen Schlüsse ziehen. Der Pferdehandel wird auch noch nach der Corona-Krise weitergehen. Es ist eine Herausforderung, die jetzige Phase gut zu überstehen.“

Holger Hetzel: Für die Pferde ist die Turnierpause eher ein Vorteil

Doch der Springreiter versucht trotz Allem auch der sportlichen und wirtschaftlichen Zwangspause etwas Positives abzugewinnen. „Natürlich findet momentan kein Unterricht bei uns statt, aber wir dürfen unsere Pferde zum Glück trainieren. Jetzt können sich die Youngster ohne Turnierstress ganz in Ruhe entwickeln. Und das ist natürlich alles andere als negativ. Denn gerade im normalen Tagesgeschäft kommt die Ausbildung leider doch manchmal etwas zu kurz. Aus Pferdesicht ist die Zwangspause sicherlich kein Nachteil, sondern eher ein Vorteil.”

Neben den Hygiene-Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter gibt es bei der Hetzel Horses GmbH noch andere Veränderungen. „Wirtschaftlich gesehen muss man sich der Situation schnell anpassen”, erklärt der studierte Betriebswirtschaftler. „Auch bei uns befinden sich einige Mitarbeiter in Kurzarbeit oder arbeiten weniger, da durch die längere Turnierpause weniger Arbeit anfällt.” Die Turnierpause bedeutet für Holger Hetzel aber auch einen gewissen Ausgabenstopp: „Da jetzt keine Turnierkosten anfallen – wir sind mit den Pferden sonst ja viel in ganz Deutschland und im Ausland unterwegs – haben wir diesbezüglich natürlich momentan auch keine Ausgaben. Insgesamt versuchen wir, die Kosten so gering wie möglich zu halten und uns auf die Ausbildung der Pferde zu konzentrieren.”

Schadensbegrenzung und „Reset“

Da sein Betrieb breit aufgestellt ist und er und seine Mitarbeiter die Pferde normal trainieren dürfen, sieht Holger Hetzel seine Lage nicht allzu pessimistisch, betrachtet aber andere Reitbetriebe mit Sorge: „Die Karten werden alle neu gemischt, da jeder im Reitsport von der Situation betroffen ist. Besonders schlimm trifft es natürlich die Reitschulen, deren gesamte Einnahmen wegbrechen, aber die Ausgaben genauso bestehen bleiben wie sonst auch. Und wer weiß, inwieweit deren Kunden wirtschaftlich von der Corona-Krise beeinträchtigt werden. Hier geht es ja auch um die Frage, ob sie sich in naher Zukunft überhaupt noch den Reitunterricht der Kinder leisten können”, mutmaßt der Springreiter. „Ich versuche trotz Allem positiv zu bleiben, den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten und betrachte es eher als eine Art Reset. Der Reitsport wird auch nach der Pandemie existieren, aber es wird dauern bis wieder Normalität eingekehrt ist. Vielleicht wird es auch erst einmal Turniere ohne Zuschauer geben. Ich befürchte aber, dass einige Zeit vergehen wird, bis sich der Sport und die Wirtschaft von den Auswirkungen der Pandemie erholen.”

Um Züchter und Aufzüchter in dieser Zeit zu unterstützen und ein positives Zeichen zu setzen, weicht Holger Hetzel von seiner ursprünglichen Strategie ab, junge Springpferde erst ab einem Alter von fünf Jahren einzukaufen. „Aufgrund der Corona-Krise habe ich mich entschlossen, auch nach jüngeren Pferden ab vier Jahren Ausschau zu halten, auch wenn mich dies ein weiteres Jahr Ausbildung kostet. Ich will damit ausdrücken, dass wir wegen Corona nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern uns jetzt schon Gedanken machen, wie wir wieder loslegen können.”

Juliane Körner

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