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25.06.2020 | News

Siegertypen: Saskia Schneppenheim und Graciah 

Zwei, die sich gesucht und gefunden haben: Saskia Schneppenheim und Graciah. Foto: MR Graphics / Michael Rögel

 

Der erste Sieg ist immer etwas Besonderes – erst recht, wenn es die erste goldene Schleife in der schweren Klasse ist. In unserer Siegertypen-Serie geben wir Lesern die Chance, ihre ganz persönliche Geschichte bis zum ersten S-Sieg zu erzählen. Nach dem Motto „unverhofft kommt oft“ feierte Saskia Schneppenheim 2016 ihre erste goldene Schleife in einer S-Dressur. 

Im zarten Alter von nur fünf Jahren war Saskia Schneppenheim wild entschlossen, reiten zu lernen. Ein Wunsch, den ihre Eltern gerne unterstützten. „Meine Mama hat als junges Mädchen Reitstunden genommen und hatte entsprechend Verständnis für meinen Wunsch. Also fuhren wir zum Reitstall in unserem Dorf. Leider war ich für die Reitstunden dort aber noch zu jung.“ Aufgeben kam aber jedoch nicht in Frage und so fand sich im Nachbarort ein Reitstall, der Longenstunden schon für Kinder ab fünf Jahren anbotSaskia begann dort also auf dem Rücken der Schulponys mit dem Reiten. „Ich war sofort voll und ganz mit dem ‚Pferdevirus‘ infiziert,“ erinnert sich die heute 24-Jährige.  

Schon ein Jahr später absolvierte sie ihren ersten Turnierstart – und war auch hier direkt „Feuer und Flamme“. Dabei genoss sie eine überaus solide und vielseitige Grundausbildung. „Ich habe mich erst relativ spät auf die Dressur spezialisiert. Vorher bin ich ganz lange parallel auch gesprungen, sogar auf Turnieren. Zuhause ging es immer mal wieder auch über kleine Vielseitigkeitssprünge. Aber eines Tages fand ich mich kopfüber im Wassergraben wieder – mitsamt Pony. Danach waren wir beide etwas verunsichert und haben das Vielseitigkeitsreiten zurückgestellt. Gesprungen bin ich aber noch lange. Die Dressur stand erst im Fokus, als ich mein Kaderpony Dow Jones bekommen habe. Aber auch er glänzte in den wöchentlichen Springstunden“, verrät Saskia lächelnd.  

Mit Dow Jones war die Amazone erfolgreich auf nationalen wie internationalen Turnieren im Ponydressur-Lager unterwegs. Parallel dazu stieg sie aber auch schon frühzeitig in den Großpferdesattel. „Ich bin mit 14 mit meinem damaligen Pferd Warren Oates in meine erste S-Dressur eingeritten. Danach haben wir allerdings beschlossen, dass ich mich erstmal auf die Pony- und Junioren-Tour konzentriere. Zur Schonung des Pferdes haben wir deshalb nur selten schwere Prüfungen genannt. Damals habe ich in meinem jugendlichen Leichtsinn aber auch gedacht, dass es nicht so schwer sein kann, ein Goldenes Reitabzeichen zu erreiten…“ 

 

Große Liebe: Graciah 

Saskia war 16, als schließlich ihr heutiges Erfolgspferd Graciah in ihr Leben trat. „Sie stand bei meiner damaligen Trainerin Claudia Haller im Stall und diese ließ mich eines Tages auf ihr reiten. Es hat sofort gut geklappt. Und so nahmen die Dinge ihren Lauf und Graciah wechselte schließlich in meinen Besitz.“ Noch heute kann die Rheinländerin nicht davon erzählen, ohne über das ganze Gesicht zu strahlen. „Graci ist mein absolutes Herzenspferd. Ich kenne kein Pferd, das so intelligent ist wie sie. Jeden Tag hört sie mich, wenn ich mich dem Stall nähere, und freut sich riesig. Sie ist super verschmust, aber nur wenn sie will. Eigentlich macht sie alles nur, wenn sie will, sie ist eben eine typische Stute. Sie hat uns alle fest im Griff. Aber sie macht auch jeden Tag super mit und bekommt sogar schlechte Laune, wenn sie mal Urlaub hat.“  

Saskia nennt die braune Stute liebevoll auch „meine kleine Tussi“ oder „Diva Royal“Das passt einfach perfekt zu ihr.“ Die Goethe-Tochter steht mittlerweile in einem kleinen Privatstall in Krefeld. Seit fünfeinhalb Jahren trainiert Saskia Schneppenheim mit ihrer Stute nun schon bei Silke Fütterer-Sommer und kann mittlerweile auf Erfolge bis zur Klasse S*** blicken. Dennoch wird ihr der erste Sieg in der schweren Klasse immer ganz besonders in Erinnerung bleiben. 

 

Der erste S-Sieg – ein unvergessener Tag 

„Ich kann mich an den Tag noch sehr genau erinnern“, erzählt die Reiterin. „Es war beim Turnier auf der Reitanlage Löckenhoff in Mettmann. Dieses Turnier ist für mich mit vielen Besonderheiten und Premieren verbunden, denn dort habe ich mit meinem Pony Dow Jones auch meine erste FEI-Prüfung geritten und mit Warren Oates meine erste S-Dressur überhaupt. Mit Graciah habe ich an jenem Tag 2016 den ersten S-Sieg dort feiern dürfen – und bin später auch bei diesem Turnier in meine erste S***-Dressur mit ihr eingeritten.“  

Am Freitagabend, den 17. September 2016, machte sich Saskia Schneppenheim mit ihrer Graciah, Trainerin Silke Fütterer-Sommer und ihren Eltern auf den Weg nach Mettmann. Dort stand eine S-Dressur unter Flutlicht auf dem Programm. „Entsprechend hatten wir vorher viel Zeit. Ich habe also dafür gesorgt, dass Graci morgens auf der Weide war, habe mittags ausgiebig mit ihr gekuschelt und sie geputzt. Nachdem sie einen Mittagsschlaf gehalten hat, haben Mama und ich sie dann fürs Turnier fertiggemacht. 

Auf der Reitanlage Löckenhoff angekommen, zeigte sich die Goethe-Tochter zunächst etwas nervös. Doch Silke Fütterer-Sommer redete ihrer Schülerin gut zu und sorgte für Entspannung bei der Reiterin, die sich schließlich auch auf das Pferd übertrug. „Ich bin dann tatsächlich total entspannt in die Prüfung geritten und wir konnten eine schöne, fehlerfreie Runde drehen“, erinnert sich Saskia. Da sie im Mittelfeld dran war, brachte sie ihre Stute nach dem Ritt in die vor Ort gemietete Box und schaute sich einige der folgenden Starter an. „So eine Ruhe habe ich sonst selten auf dem Turnier, denn Graci bleibt auf dem Anhänger nicht allein. Sprich: Wenn wir keine Box haben, bleibe ich immer bei ihr am Hängerplatz. Sie ist einfach sehr sensibel und nervös. Wenn nicht alles nach ihrem Rhythmus läuft, kann sie schnell kirre werden.“  

Während die Prüfung noch lief, glaubte Saskia zunächst noch nicht daran, wirklich zu gewinnen. Aber nach und nach neigte sich die Starterliste dem Ende entgegen – und sie führte das Feld weiterhin an. „Trotzdem konnte ich es nicht glauben, als feststand, dass ich gewonnen habe. Es war wie ein Film. Und obwohl ich mich riesig gefreut habe, war ich auch etwas traurig, denn die Platzierung fand ohne Pferd statt. Also auch ohne Mama und Graci. Aber meine Trainerin und ihr Mann waren dabei und haben gejubelt und geklatscht, was das Zeug hält. Zum Feiern blieb anschließend allerdings nicht viel Zeit, da die Prüfung sehr lange ging und wir am nächsten Tag wieder zur S** losmussten. Aber einen Sekt haben wir noch getrunken auf dem Turnier – und später dann mit allen Freunden und dem Team nachgefeiert!“  

Am nächsten Tag bangte Saskia allerdings noch einmal kurz um ihren gerade erst errittenen Sieg: „Die S*-Dressur war eine Quali für die Kür am nächsten Tag. Graci war wie am Tag zuvor morgens erst auf der Weide – und als ich sie reinholen wollte, ließ sie sich erstmal nicht einfangen! Da hatte ich richtig Angst, dass wir es nicht rechtzeitig zum Kürstart schaffen und mir mein Sieg vom Vortag aberkannt wird… Aber zum Glück hat dann doch alles gut geklappt und wir sind in der Kür um nur einen Punkt geschlagen Zweite geworden. Also haarscharf am Sieg vorbei – ein ‚Fluch‘ der schon seit der Ponyzeit auf mir lastet“, lacht die Wirtschaftspsychologie-Studentin. „Aber eins ist klar: Dieses Turnier, diesen Tag des ersten S-Siegs und diese Gefühle werde ich nie mehr vergessen! Ich bin so dankbar, dass ich dieses Erlebnis mit meiner Graciah teilen durfte. Mit dem Pferd, das mich seit der Junioren-Zeit begleitet und mir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubert – auch wenn es nicht immer einfach mit ihr ist. Ich danke Claudia Haller dafür, dass sie an Graci geglaubt und es nochmal mit ihr versucht hat, sonst hätte ich sie wohl nie kennengelernt. Und ich danke natürlich auch meinen Eltern, die mich seit der Ponyzeit unterstützen und mir stets helfend zur Seite stehen!“  

Für die Zukunft wünscht sich Saskia Schneppenheim vor allem eins: Gesundheit für die ihr lieben Vier- und Zweibeiner. „Und wenn wir alle gesund und munter bleiben, wäre es natürlich schön, noch mehr Erfahrungen in S*** sammeln zu können.“  

 

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