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18.12.2017 | News

Sinsbeck-Gossen restauriert alten Pferdeschlitten

Nach zwei Jahren mühevoller Kleinarbeit soll ein fast vergessenes Schmuckstück im Zuge der traditionellen Pferdesegnung eingesegnet werden, Jungfernfahrt im sauerländischen Schnee geplant

Foto: Sinsbeck

Zugegeben. Vor einigen Tagen hätte die Jungfernfahrt des von Peter Sinsbeck und Heinz Gossens restaurierten über 100 Jahre alten Pferdeschlitten auch in den Kesselner Niersauen stattfinden können. Denn Schnee lag reichlich. Doch wäre diese zu verfrüht gewesen, da dieses uralte, wieder zum Leben erweckte „Schätzchen“, doch mit Gottes Segen durch die Niederung und darüber hinaus gleiten soll. Und so heißt es abwarten, bis am zweiten Weihnachtstag die traditionelle Pferdesegnung stattfindet, an der auch Gespanne teilnehmen. Bleibt also genügend Zeit zu erfahren wie der Pferdeschlitten, Baujahr 1900, überhaupt entdeckt wurde. „Dieser wurde mir seinerzeit vom Asperdener Fränkel Kreyer für kleines Geld überlassen“, schildert Sinsbeck, der dieses sehr verwitterte Gefährt, an dem der Zahn der Zeit mächtig genagt hatte, gleich seinem Mitstreiter in Sachen Gespannfahrten, Heinz Gossens, vorstellte. Dessen fachmännisches Urteil: Den kriegen wir schon wieder hin. Doch war der Weg dorthin beschwerlicher als die beiden Freunde dachten. „Zunächst haben wir uns an die Erneuerung der Kufen gemacht. Da auch übers Internet kein Schlittenbauer, weder in Österreich noch in der Schweiz ausfindig zu machen war, der noch Kufen im Dampfbad biegen konnte, musste eine eigene Lösung gefunden werden“ schildert Peter Sinsbeck die Anfänge der „Unternehmung Pferdeschlitten“. So wurden in der sehr gut ausgestatteten Schreinerei von Heinz Gossens zunächst 6x60x600 mm starke Blätter aus Eschenholz geschnitten und auf einer Schablose mit 50 Zwingen in die Endform zusammengeleimt bzw. gepresst. „Nachdem die Kufen fertig waren glaubten wir uns schon über dem Berg. Doch der Schreck folgte, als wir nach der Zerlegung des Korpus feststellen mussten, dass kaum ein Teil des alten Schlittens noch verwertbar war“, so Sinsbeck weiter. Die Stunde von Schreinermeister Kurt Tenhaaf schlug, der noch alte Techniken im Umgang mit Vollholz kannte und beherrschte. „Viele Feierabende und Samstage waren nötig, um den Schlitten wiederzubeleben. Zum Glück hatte Heinz Gossens noch einen Stamm eines über 20 Jahre alten Eschenholzes, der jetzt zum Schlitten wurde“, erinnert sich Sinsbeck auch an die heruntergekommenen Eisenteile, die nach einer unendlichen Schleifarbeit wieder wie neu aussehen. Was die Anpassung der Eisenteile an das Holz anbelangte, so wurde diese von Elbers mit viel Können und Geschick übernommen. Und da ein Schlitten auf Kufen am Niederrhein wenig Sinn macht, musste dieser auch rollen können. Eine erneute Aufgabe für Paul Elbers, der dem Schlitten einen rollenden, klappbaren Untersatz verschaffte, der zudem harmonisch zu dem Gesamtwerk passen musste. Nun also soll der Schlitten am Sankt Stephanus Tag eingesegnet werden um hiernach für mehrere Tage im Sauerland eingesetzt zu werden. Vergessen sind dann sicherlich die monatelangen Mühen der „Unternehmung Pferdeschlitten“, aber nicht die wertvolle Hilfe von Kurt Tenhaaf und Paul Elbers, die gleichfalls eine Fahrt mit dem neuen Gefährt verdient haben.

Stephan Derks


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